Justierung eines TAL-Teleskops

Ein Tipp von Uwe Müller

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Optische Justierung eines Newton, unter Zuhilfenahme einer Filmdose

Auch wenn ein Tal 2-M mit einem Öffnungsverhälltnis von f/8 weniger justieranfällig ist, gibt es Situationen in denen man die Optik des Newton wieder ins Lot bringen muß.

Sehr oft ist man mit der optischen Leistung seines Teleskops nicht zufrieden und es stellt sich schnell die Frage. Ist mein Teleskop dejustiert. Schuld an der oft mäßigen Bildqualität ist aber in unseren Breiten häufig auftretendes schlechtes Seeing, hervorgerufen durch hohe Luftfeuchte, aufsteigende Wärme und andere atmosphärische Erscheinungen. Bemerkbar macht sich das durch wabernde Planeten, unscharfe Sterne und vieles mehr. Stellen wir uns aber vor - es ist  ausnahmsweise mal gutes Seeing und der Tubus ist schön ausgekühlt, wir sehen aber nur Sterne mit kleinen Schwänzen, die sehr viel Ähnlichkeit mit Kometen haben. Wenn man einen Stern bei gutem Seeing und starker Vergrößerung ein klein wenig unscharf stellt, kann man sehr schön einige kleine Kreise, sogenannte Beugungsringe, erkennen. Bei gut justiertem Newton sind diese Beugungsringe schön Kreisrund und der Stern sollte schön zentrisch sein.

Bei maximaler Defokussierung eines hellen Sterns  erkennt man ein Sternenscheibchen in dessen Zentrum ein dunkles Loch zu erkennen ist. Ist diese Loch nicht mittig, haben wir ein Problem, der Newton ist dejustiert und muß wieder neu justiert werden.

Vor der aller ersten Justierung ist etwas Vorbereitungsarbeit nötig.

Mittenmarkierung auf dem Hauptspiegel:

Damit wir den genauen Mittelpunkt des Hauptspiegels beim Justieren finden macht ist es erforderlich den Hauptspiegel auszubauen und den genauen Mittelpunkt des Hauptspiegel zu markieren. Vor dem Ausbau des Hauptspiegel bitte die genaue Position des Spiegels beachten. Am besten auch diese am Teleskop markieren. Also Schraube 1 am Loch 1 usw. Zur genauen Feststellung des Hauptspiegelmittelpunktes fertigt man sich eine Schablone in der Größe des Hauptspiegel, sticht in deren Mitte ein kleines Loch, legt die Schablone bündig auf den Hauptspiegel und markiert mit einem wasserfesten CD-Faserschreiber den Mittelpunkt des Hauptspiegel. Nachdem die Schablone wieder entfernt wurde kann man jetzt noch einen selbstklebenden Lochverstärker für Ringordner auf diese Stelle kleben. Hierbei ist zu beachten das

a) man nicht auf den Spiegel drauffasst
    b) unsere markierte Stelle sich genau in der Mitte des Rings befindet.

Diese Markierung hat keinen Einfluss auf die optische Leistung des Newton da diese Stelle durch den Fangspiegel abgeschattet wird.Nach dieser Arbeit, wie oben beschrieben den Hauptspiegel wieder einbauen.

Filmdose vorbereiten:

Nun suchen wir uns eine leere Filmdose, aber aufgepasst nicht Jede passt in den Okularauszug, -testen-.

Gut, wir haben eine Passende gefunden und bohren in die Unterseite der Filmdose, genau mittig ein ca. 2 mm großes Loch.

Damit sind die Vorbereitungsarbeiten erledigt und nun geht es ans Werk.

Justierung des Fangspiegels:

Zuerst müssen wir die richtige Position des Fangspiegel überprüfen. Wir schauen durch den leeren Okularstutzen auf den Fangspiegel. Der Fangspiegel sollte sich in einem idealen Winkel zum Okularstutzen befinden. Ist das nicht der Fall, erkennt man (Übertrieben) nur das Spiegelbild des inneren des Okularauszugs oder nur einen kleinen Teil des Hauptspiegels. Man dreht den Fangspiegel jetzt soweit bis das komplette Spiegelbild des Fangspiegel im Okularauszug  erscheint.

Durch leichtes Kippen des Fangspiegels, dies geschieht durch Verstellung der drei Madenschrauben am Fangspiegel, stellt man nun das Spiegelbild des Hauptspiegel genau ins Zentrum des Fangspiegels.
Jetzt sollte der gesamte Hauptspiegel im Okularstutzen erkennbar sein.

Soweit so gut. Allerdings fällt uns nun auf, das sichtbare Spiegelbild zeigt einen Fangspiegel der nicht genau im Zentrum ist und die Fangspiegelstreben haben verschiedene Größen . Es ist nun an der Zeit dies durch Einstellung des Hauptspiegels in Ordnung zu bringen.

Justierung des Hauptspiegels:

Wir sehen uns die Hauptspiegelfassung an und sehen vier Rendelschrauben. Die Schraube in der Mitte dient zu Fixierung des Hauptspiegels und wird von uns etwas gelöst. Die anderen der Schrauben sind die Einstellschrauben. Mit ihnen wird die Lage des Hauptspiegel verändert. Die Kontermuttern der drei Einstellschrauben werden  ebenfalls etwas gelöst. Nun werden wir versuchen die Fangspiegelabbildung ins Zentrum des Hauptspiegel zu bekommen.

Durch leichtes lösen oder anziehen der Justierschrauben wird die Lage des Hauptspiegel verändert. Wir sehen wie sich die Position der Fangspiegelabbildung ändert.  Am leichtesten geht die Justiererei, wenn eine zweite Person behilflich ist und sie auf unsere Anweisung die Justierschrauben bedient.

Durch unsere Anweisung hin, wird nun die Fangspiegelabbildung ins Zentrum des Hauptspiegels dirigiert.

Ab jetzt ist  Feinarbeit angesagt. Wir stecken die Filmdose, mit dem Loch Richtung Fangspiegel, in den leeren Okularauszug und drehen den Fokussierer bis zum Anschlag raus. Wir richten den Tubus auf einen hellen Gegenstand  (Fenster, beleuchtete Wand ect.). Durch das Loch der Filmdose erkennt man nun im Zentrum des Fangspiegelbildes einen dunklen Punkt. Dieser Punkt ist das Loch in unserer Filmdose. Diesen Punkt bringen wir nun durch Feinjustierung an den Hauptspiegeljustierschrauben genau ins Zentrum unserer angebrachte Hauptspiegelmarkierung. Wie überprüfen noch einmal das Gesamtbild in unserem Okularstutzen. Wir sehen jetzt im Fangspiegel den kompletten Hauptspiegel mit  zentrischer Fangspiegelabbildung und den gleichgroßen Fangspiegelstreben. Ist das nicht der Fall müssen wir noch einmal die oberen Schritte durchführen .

Jetzt werden die vorher gelösten Befestigungsschraube und die Kontermuttern wieder festgezogen. Bitte nicht anbrummen Leichtes anziehen reicht vollkommen aus. Nun ist das Werk vollbracht . Der Newton ist jetzt justiert bzw. kollimiert.

Zu einer guten Beobachtungsnacht fehlt nur noch klarer Himmel.

 

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